Hyponoetics - Glossary


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12 - J. Hoffmeister: Wörterbuch der Philosophischen Begriffe

Intuition, lat. "Anschauung", von intueri "anschauen", 1. die Anschauung im Sinne unmittelbarer ganzheitlicher Sinneswahrnhehmung im Gegensatz zu einem wandernden Beobachten oder abstrahierenden Betrachten, 2. im Gegensatz zur Reflextion die Fähigkeit, ein Ganzes mit seinen Gliedern in einem Akt einsichtig zu erfassen, das Wesen eines Gegen-standes, das Wesentliche eines Sachverhaltes, die Struktur eines Zusammenhanges, die Idee einer Sache zu durchschauen und zu überschauen.
Dazu intuitiv, durch unmittelbare Anschauung erkennbar oder erkannt; Gegensatz: diskursiv.

Die Vieldeutigkeit des Begriffs spiegelt sich in der Bedeutungsgeschichte des Wortes widerÖ Es wird gebraucht für das geistige Schauen der Ideen bei Plato, bei Descartes für die Erkenntnis einsichtiger Wahrheiten ("die intuitive Erkenntnis is das einfache, über jeden Zweifel erhabene Begreifen, das allein dem Licht der Vernunft entspringt." Reg. III).

Bei Locke heisst intuitive Erkenntnis die Einsichtigkeit der Axiome. Vielfach wird Intuition gleichbedeutend gebraucht mit "intellektueller Anschauung", z.B. bei Fichte und Schelling; nach Schopenhauer ist Intuition "lebendige Anschauung". In der neueren, bes. in der geisteswissenschaftlichen Psychologie wird die intuitive Erkenntnis der induktiv gewonnenen gegenübergestellt. Für Klages gehört die Intuition im Gegensatz zum Verstand auf die "Seelenseite", auch bei C.G.Jung wird sie vom Denken unterschieden. Eine grosse Rolle spielt sie in der Lebensphilosophie.

Intuitionismus, die Lehre, die der Intuition, dem intuitiven Denken, den Vorrang gibt vor der Reflexion, dem diskursiven Denken; in der Ethik die Lehre von der ursprünglichen Gewissheit des Unterschieds von Gut und Böse in der Vorstellung oder im Gefühl; in der Mathematik die Theorie, nach der die mathematischen Gegenstände ideal, d.h. durch reine Konstruktion des menschlichen Verstandes entstanden sind, oder in neuerer Zeit die von Brouwer aufgestellte Forderung, nur die Existenzsätze gelten zu lassen, die durch wirklich ausführbare Konstruktionen zu beweisen sind. Die Benutzung des tertium non datur wird für unendliche Mengen nicht zugelassen und auch im Falle der Widerspruchsfreiheit als sinnlos abgelehnt. Der Intuitionismus entstand als Reaktion auf die Entdeckung der Paradoxien der axiomatischen Mengenlehre.

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Updated: 8/21/99

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